Mein Tagesablauf in der Tierauffangstation Paraíso Carlisa

Von Mitte April bis Mitte Mai verbrachte ich einen Monat in Costa Rica. Während dieser Zeit war ich zwei Wochen lang als Freiwillige in der Tierauffangsstation Paraíso Carlisa tätig. Heute möchte ich dir von meinem Tagesablauf erzählen und die Tiere vorstellen, um die ich mich dort gekümmert habe.

Warum?

Zunächst einmal stellst du dir bestimmt die Frage, warum ich überhaupt eine Tierauffangstation unterstützt habe:

Wie du vielleicht aus anderen Blogbeiträgen weißt, bin ich ein absoluter Tierfreund. Besonders Tiere, die es bei uns nicht gibt, wie z. B. Faultiere und Affen, haben es mir angetan. Schon immer war es ein Traum von mir, ein Faultier live zu sehen und mit Tieren zu arbeiten.
Da der im April ursprünglich geplante Urlaub ins Wasser fiel, ergriff ich die Chance und entschied mich, stattdessen nach Costa Rica zu gehen und ein Projekt in der Tierauffangstation zu machen.
Über die Organisation Praktikawelten habe ich die Reise gebucht.

Die Tierauffangsstation

Die Tierauffangsstation Centro de Rescate Paraíso Carlisa liegt im kleinen Ort Los Angeles de Puriscal zwischen Parrita und Puriscal – mitten im Nirgendwo, weit abseits von einer großen Stadt.
Sie gehört zum Hotel Ecológico Paraíso Carlisa und ist in die Anlage integriert. Auf dem 100 Hektar großen Gebiet befinden sich mehrere Bungalows, in denen Hotelgäste und Volontäre übernachten und verschiedene Käfige, in denen die Tiere untergebracht sind.

Weitere interessante Daten über das Hotel und die Tierauffangstation findest du hier.

Ein typischer Tagesablauf

Morgens um kurz vor halb 7 klingelte der Wecker. Nachdem ich in die Arbeitskleidung schlupfte, ging ich mit den anderen Volontären zur Terrasse des Hotels – Hier gab es täglich um 7 Uhr Frühstück.
Das Frühstück war immer warm und meistens herzhaft. Es war wichtig, gut gestärkt in den Tag zu gehen, da die Arbeit teilweise sehr anstrengend war. Meistens bestand das Frühstück aus Toast, Reis, Eiern und Würstchen, aber einige Male gab es auch Pancakes. Dazu gab es leckeren Kaffee – dieser schmeckt in Costa Rica besonders gut.

leckeres Frühstück
Ein typisches Frühstück in der Tierauffangstation

Nach dem ausgiebigen Frühstück starteten alle Volontäre um 8 Uhr mit der Arbeit.
Zuerst stand auf dem Plan, das Futter für die Tiere zuzubereiten: Melone, Banane, Papaya und Mango mussten klein geschnitten und in Schüsseln gefüllt werden. Hierbei war es wichtig, die Besonderheiten der Tiere zu beachten. Manche Tiere aßen z. B. keine Melonen und manche Tiere benötigten die Stücke besonders klein geschnitten.

Nachdem wir etwa eine dreiviertel Stunde damit beschäftigt waren, das Futter zuzubereiten, wurde die Arbeit aufgeteilt: Jeder Volontär war für durchschnittlich zwei Tierarten zuständig und musste die Tiere füttern und ihre Käfige reinigen. Da die Entfernungen zwischen den einzelnen Käfigen sehr groß war, nahm dies einige Zeit in Anspruch.
Anschließend begannen wir, die Früchte für die Fütterung am Nachmittag vorzubereiten, denn einige Tiere benötigten zusätzlich zur Fütterung am Morgen eine Mahlzeit am Nachmittag.

Es war etwa 11 Uhr als wir mit unserer Arbeit am Vormittag fertig waren. Wir gingen dann meistens zum Pool und ruhten uns etwas aus.

Der Pool in der Tierauffangstation

Um 13 Uhr gab es dann Mittagessen – Die Mahlzeiten waren immer reichlich und von Spaghetti über Pizza und Reis mit Gemüse oder Fleisch war alles dabei.
Nachdem wir etwa vier Stunden Freizeit hatten, stand um 15 Uhr die Nachmittagsfütterung auf dem Plan. Wir teilten uns wieder auf und versorgten die Tiere erneut mit Essen.
Meistens hatten wir um ca. 16 Uhr Feierabend. Die Zeit bis zum Abendessen verbrachten wir entweder am Pool, gingen zu einem Wasserfall in der Nähe oder zu einem kleinen Supermarkt.

Zwei kleine Wasserfälle in der Nähe der Auffangstation
Zwei kleine Wasserfälle in der Nähe der Auffangstation

Um 19 Uhr gab es Abendessen. Auch hier waren die Mahlzeiten unterschiedlich. Wir bekamen Suppe, Reis mit Gemüse, Fleisch oder grillten. Nachdem Abendessen ließen wir den Abend gemeinsam auf der Terrasse ausklingen. Wir spielten Karten, hörten Musik oder tranken Sangria.

Die Tiere

Aber welche Tiere gibt es genau in der Tierauffangstation? Erfahre hier, um welche Tiere ich mich gekümmert habe:

Congo

Congo – das ist ein wirklich süßer Affe, der mit seinen Füßen an eine Stromleitung gekommen ist. Seitdem ist er nicht mehr ganz auf der Höhe und kann mit den Füßen leider nicht mehr richtig greifen. Er würde in freier Wildbahn nicht überleben und ist daher in der Auffangstation.

Congo hat die Früchte immer sehr groß geschnitten benötigt, da er die Stücke sonst nicht gut nehmen konnte. Außerdem war er sehr empfindlich was Regen betraf. Wir mussten darauf achten, das Futter bei schlechtem Wetter immer unter Dach zu stellen, da Congo Regen nicht leiden konnte.

Der Affe Congo
Der Affe Congo
Nina

Nina ist ein Nasenbär. Sie wurde einst als Haustier in einer Familie gehalten, hat dort irgendwann die Tochter gebissen und wurde dann von der Familie abgegeben.
Sie war sehr süß, aber auch etwas frech und hat mich sogar einmal leicht gebissen.

Für Nina wurden die Früchte ebenfalls sehr groß geschnitten. Jeden zweiten Tag bekam sie ein rohes Ei als besondere Delikatesse.

Ich zusammen mit Nina
Ich zusammen mit Nina
Gavin

Gavin das Faultier – mein absolutes Highlight in Costa Rica und der Grund, warum sich mein Aufenthalt gelohnt hat.
Gavin war noch sehr jung und wurde in der Auffangstation auf das Leben in freier Wildbahn vorbereitet.

Gavin das Faultier
Gavin das Faultier

Morgens brachte ich Gavin öfters an einen Baum, so dass er diesen hochklettern und die Blätter essen konnte. Nachmittags holte ich ihn wieder ab, da er nachts noch nicht draußen bleiben sollte.

Ich zusammen mit Gavin
Ich zusammen mit Gavin

Mich um ihn zu kümmern und ihn zu halten war das tollste was ich jemals erlebt habe. Er schmiegte sich immer wie ein kleines Baby an mich und sah aus, als hätte er ein Lächeln im Gesicht. Es war so schön anzuschauen, wie er sich im Zeitlupentempo bewegte – ja Faultiere sind wirklich soooo langsam – und dabei total verschlafen schaute.

Leider starb Gavin während meines Projektes an einer Kolik – sehr plötzlich und unerwartet. Es hat mir wirklich das Herz zerrissen und machte mich sehr traurig. Ich hoffe, Gavin ist nun an einem tollen Ort. Ich bin unendlich dankbar dieses wunderbare Wesen kennengelernt zu haben

Die Pakas

Pakas sind Nagetiere, die in Mittel- und Südamerika leben. In der Tierauffangstation gibt es sechs Stück. Zwei davon in getrennten Käfigen, die nicht mit den anderen vier harmonieren. – Darunter auch Grumpy – ein sehr eitler Herr, der sich immer mit einem lauten Brummen beschwert hat, wenn ihm ein Volontär zu Nahe kam.
Da die Pakas nachtaktive Tiere sind, hielten sie sich tagsüber überwiegend in Höhlen aus Baumstämmen oder in Betonrollen auf, die für sie im Käfig hergerichtet waren.

Ich war öfters dafür zuständig, die Käfige der Pakas zu reinigen. Unter Anderem musste das Wasser aus dem Wasserbecken, das die Pakas als Toilette benutzten, ausgewechselt werden.

Ein Paca
Ein Paka beim Essen
Die Waschbären

In der Auffangstation leben auch zwei Waschbären, die sehr aggressiv waren. Sie versuchten öfters zu beißen, wenn man sich in der Nähe des Käfigs befand. Warum die Waschbären in der Auffangstation waren, konnte irgendwie niemand so genau sagen.

Auch hier musste das Wasserbecken täglich gereinigt werden, während die Waschbären kurz in einem Käfig eingesperrt waren.

ein Waschbär
Ein Waschbär
Die Pferde

In der Tierauffangstation gibt es außerdem fünf Pferde.
Die Pferde haben immer besonders viel Zeit in Anspruch genommen. Das Gehege war das am weitesten abgelegene auf dem Gelände und man benötigte etwa 10 Minuten um es zu erreichen. Dann war das Gelände auch ziemlich groß und es hat etwas gedauert, den Pferdekot zu beseitigen, das Trinkwasser auszuwechseln und frisches Heu nachzufüllen.

Die Pferde taten mir besonders leid, da diese sehr mager waren. Bei allen Pferden waren die Rippen deutlich zu erkennen. Einmal gab es sogar kein Heu mehr und die Pferde bekamen an einem Nachmittag nichts zu essen. Das hat mich echt traurig gemacht.

Die Pferde
Die Pferde
Die Spider-Monkeys (Klammeraffen)

Die Spider-Monkeys sind die mit Abstand aggressivsten Tiere in der Auffangstation. Es gab vier Stück davon – zwei Frauen und zwei Männer.
Die Spider-Monkeys sind bereits in der Auffangstation aufgewachsen und wissen demnach nicht, wie es ist, in freier Wildbahn zu leben.

Die Spider-Monkeys waren wirklich nicht angenehm. Ein Affe bekam sogar den Namen „Psycho“, weil er sich wie ein Psychopat durch den Käfig bewegte. Weibliche Volontäre sollten sich dem Käfig besser nicht nähern, denn dann rasteten die weiblichen Spider-Monkeys Polly und Leyla aus. Sie fühlten sich wohl in ihrem Revier bedroht.
Einmal näherten sich zwei Volontärinnen dem Käfig etwas zu nah und die Spider-Monkeys schnappten mit ihrem Schwanz die Beine der Mädels und zogen diese an den Käfig heran. Zum Glück kam ein männlicher Volontär um die Affen zu beruhigen.

Klammeraffe
Ein Spider-Monkey
Schmetterlinge

Auch kleinere Tiere gibt es in der Auffangstation – viele Schmetterlinge leben dort in einer Schmetterlingsfarm.
Unsere Aufgabe bestand darin, alle zwei Tage Schüsseln mit einer weichen Bananen-Masse in die Schmetterlingsfarm zu stellen, da sich die Schmetterlinge von den zerdrückten Bananen ernähren.

Außerdem waren wir dafür zuständig, die Blätter, an denen die Weibchen ihre Eier abgelegt hatten, zu sammeln. Diese wurden dann in einen besonderen Behälter gelegt, bis die Raupen schlüpften.
Die Raupen mussten dann regelmäßig auf frische Blätter umgesetzt werden, damit sie genug zu fressen hatten.

eine Schmetterlingsraupe
eine Schmetterling-Raupe

Nach einiger Zeit wird die Raupe dann zur Puppe und aus der Puppe entsteht schließlich ein Schmetterling, wie dieser:

ein Schmetterling
ein Schmetterling
Rehe

Ja – auch zwei Rehe sind in der Auffangstation untergebracht. Ein Weibchen und ein Männchen, die sich aber gut verstehen. Warum genau sie in der Auffangstation sind, habe ich allerdings nicht verstanden.

Die Rehe wurden mit den Schalen der Früchte, die wir für die Tiere geschnitten hatten, gefüttert. Außerdem bekamen Sie noch ein Behälter mit Pflanzen in den Käfig gestellt, die wir regelmäßig sammeln mussten.
Da eines der Rehe schon mal eine Volontärin bedrängt hatte, wurden die Rehe von außen mit Futter abgelenkt, während ein anderer in den Käfig ging und das Futter austauschte.

Die Rehe
Die beiden Rehe
Die Vögel

Zu guter Letzt haben auch noch einige Vogelarten ihr Zuhause in der Auffangstation.

Da wären z. B. die beiden Arakangas – oder hellrote Aras. Die beiden Papageien sind über 60 Jahre alt und leben schon lange in einem Außen-Käfig in der Auffangstation.
Sie waren sehr brav und haben sich immer besonders gefreut als sie Essen bekommen haben.

Die beiden Arakangas
Die beiden Arakangas

Neben den Arakangas gibt es auch noch ein paar Gelbbrustaras.

Gelbbrustara
Zwei Gelbbrustaras beim Essen

Zusammen mit den Gelbbrustaras waren noch mehrere Amazonenpapageien im Käfig. Diese waren etwas frech und haben oft ihren Wasserbehälter umgeschupst. Lustig war jedoch, dass diese Papageien oft gesprochen haben. Als ich in den Käfig kam, wurde ich erst einmal mit einem lauten „Hola“ begrüßt.

ein Amazonenpapagei
ein Amazonenpapagei

Auf dem Gelände des Hotels und der Auffangstation bewegten sich auch noch weitere Tiere, wie z. B. diese Echse, die oft unseren Weg kreuzte.

eine Echse aus der Tierauffangstation
eine Echse aus der Tierauffangstation

Außerdem gab es da noch dieses seltsame Insekt – laut einem Mitarbeiter eine spezielle Schmetterlingart.

ein Insekt auf der Küchentheke
ein Insekt auf der Küchentheke

Mein Fazit zur Freiwilligenarbeit

Wie aus meinem Bericht wahrscheinlich deutlich wird, hatte ich eine tolle Zeit in der Auffangstation.

Die Arbeit hat Spaß gemacht und war abwechslungsreich, da ich jeden Tag für ein anderes Tier zuständig war. Jedes Tier hat seine ganz speziellen Bedürfnisse und ich fand es toll, auf diese einzugehen und für das Wohlbefinden der Tiere zu sorgen. Ich war immer zufrieden, als ich gesehen habe, wie sich die Tiere über Essen oder das Faultier über Streicheleinheiten gefreut haben.
Die Arbeit war körperlich teilweise anstrengend. Wir mussten früh aufstehen, haben bei warmen Temperaturen Käfige gereinigt und mussten zwischen den einzelnen Käfigen sehr viel und steile Wege laufen und dabei das Futter tragen. Allerdings hatten wir neben den Fütterungen auch sehr viel Freizeit, die wir genießen konnten.

Nicht ganz so gut fand ich, dass die Auffangstation keinen Tierarzt hatte. Dies wäre wertvoll gewesen und hätte den Tod des Faultiers vielleicht verhindern können. Außerdem war einmal kein Essen für die Pferde da, was mich etwas traurig gemacht hat.

Dennoch würde ich die Freiwilligenarbeit in der Auffangstation Paraíso Carlisa weiterempfehlen. Wenn du dich schon immer für Tiere einsetzen wolltest und die Arbeit mit Tieren unterstützen möchtest, ist dies genau das Richtige für dich. Du lernst dort viele andere Volontäre kennen und der Chef und die Mitarbeiter der Auffangstation sind wirklich nett und kümmern sich gut um alle Volontäre.

Falls ich so ein Projekt das nächste Mal machen werde, werde ich es allerdings selbst organisieren und nicht über Praktikawelten buchen, da im Vorfeld der Reise alles ein wenig chaotisch mit der Organisation ablief.
Auch für dich gibt es viele Wege ein Tierprojekt zu realisieren, ohne dabei über eine Organisation zu buchen.

Hast du auch schon einmal Freiwilligenarbeit geleistet? Wenn ja, wo?
Könntest du dir vorstellen als Volontär in einer Tierauffangstation zu arbeiten?
Ich freue mich auf deine Antworten!
Viele Grüße, Jasmin

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